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Wende in der arabischen Welt!

Haus der Kulturen der Welt

Heute fand eine überaus interessante Podiumsdiskussion zu den revolutionären Ereignissen in Nordafrika statt. Das Haus der Kulturen der Welt lud arabische Intellektuelle verschiedener Staaten, Ägypten, Algerien, Tunesien und Lybien, ein zu berichten und zu erklären. Das gelang sehr anschaulich, da sie teilweise selbst an der Revolution z.B. auf dem Tahrirplatz in Kairo teilgenommen haben. Mit Volker Perthes war auch ein deutscher Kenner Nordafrikas vertreten. Moderatorin war sehr souverän Amira El Ahl. Die Verständigung klappte via Simultanübersetzung überraschend gut.

Was machte diese Revolutionen möglich? Die Angst ist verloren gegangen und die Bürger wollen ihr Schicksal selber in die Hand nehmen. Dabei scheinen z.B. am Tahrirplatz gerade die friedlichen Mittel den „durchschlagenden“ Erfolg zu zeitigen. Die äußerst brutalen Provokationen des Mubarak-Regimes verfingen nicht und immer mehr Menschen konnten sich solidarisieren. Eine echte Bürgerbewegung, bei der man viel über friedlichen Widerstand lernen kann. Hilfreich waren auch die neuen Medien wie Facebook, Twitter und Blogs, die unkonventionelle Kommunikation ermöglichten und hier war insbesondere die Jugend inspiriert.

Es klang sehr viel Stolz darüber heraus, mit den Revolutionen etwas Neues in die Welt getragen zu haben. Heute verknüpft man mit Arabien etwas anderes als immer nur Öl.

Ganz wichtig war für mich auch, etwas zu Lybien zu hören, da hier die Meinungen über den militärischen Einsatz westlicher Truppen sehr konträr sind. Es gab wenig dran zu deuteln, daß die Flugverbotszone lebensrettend war für die Bürger Bengasis und damit ein erneutes Massaker an einer Zivilbevölkerung wie in Srebrenica verhindert wurde.

Der lybische Autor Hisham Matar faßte die Essenz der neuen Zeit so zusammen: „Ist es nicht wunderschön, daß ich nicht mehr weiß, was morgen sein wird. Zur Zeit der Diktatur Gaddafis war immer alles geregelt. Ich wußte, wann ich aufzustehen hatte, wann gegessen wird, wann gearbeitet wird und was. Endlich gibt es dazu keine Sicherheit mehr und ich kann mein Leben in die eigene Hand nehmen.“ Oder so ähnlich.

Das noch viel Unsicherheit über die Zukunft herrscht, verdeutlichte die Schilderung von Aida Eltorie, daß es bei ägyptischen Männern üblich sei, Frauen ohne Begleitung zu belästigen. Während der Ereignisse auf dem Tahrirplatz aber gab es keinerlei Belästigung, sie konnte sich erstmalig auch ohne männliche Begleitung völlig frei in der Öffentlichkeit bewegen. Die Männer waren mit Wichtigem beschäftigt. Seitdem aber die Ereignisse wieder in ruhigeren Bahnen verlaufen, werden die Frauen auch wieder angegangen.


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