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„Nennt mich Ishmael.“

Die Ausstellung von Robert Longo „STAND“ in der Galerie von Gisela Capitain und Friedrich Petzel, begrüßt uns in der Karl-Marx-Allee mit Hinterfenster-Kohlezeichnungen großer Sterne auf Leinenflattern der amerikanischen Flagge „Stars&Stripes“. Goldene Messingrahmen. Großzügig schon von außen. Die Fenster als Segel – gehen wir an Bord.

Im Vordeck begrüßen uns 3 großformatige Bilder, auf zweitem Blick erkennbar Kohlezeichnungen als Kopien großformatiger Fotografien; ein einzelner Soldat (US-Soldat) auf einer Straße im Iraq, eine große Menschenmenge, eine Occupy-Demo, 2mal hochgehalten das Plakat mit „Geld-für-Bildung-nicht-für-Banken“-Parole. Und eine große Kohlezeichnung der amerikanischen Flagge mit gewellten Streifen und geschwellten Sternen. Kohle ist ein tolles Medium.

Die Räume sind alle durch deckenbodenlange, schwarze schwere Bühnenvorhänge abgeteilt. Behind the Curtain. Ja, & wie geht's weiter? Nach links und rechts sind die Stellwände eng an die Fensterfront gerückt, und ob man sich dort durchquetschen kann? Man kann.

Zur einen Seite erwartet uns der Rote Teppich (viel Textiles), die ausgerollte Gangway zwischen Präsident Obama und seinem Volk, hier unverkennbar Teaparty-People mit Teekannenbutton und allerhand Flaggenkram am Revers – mit grimmigem Blick. Zumeist Weiße. Aber Obama – der Blick nach oben – wirkt zur Salzsäule erstarrt. Sein Körper – auch diese Bilder große Kohlezeichnungen – löst sich nach unten auf, eine Stele.

Vom Vordeck zur anderen Seite hin Jimi! Jimi Hendrix an der Gitarre. Zweifelsohne fetzt er gerade die elektrische Version der „Star Sprangled Banner“ von den Saiten. YES!

Nun wirds etwas komplizierter, wo es lang gehen sollte. Der freundliche Herr hinterm Tresen dirigierte uns nach oben, auf das Oberdeck. Dort hängen 27 kleinformatigere Kohlezeichnungen in Reihe, am Kopfende eine kleinere Version des US-Soldaten Leaving Iraq. Alle Bilder sind wie ICONS des US-amerikanischen Zeitalters: eine Ölplattform, ein Prediger mit Bibel und phallusgerecktem Zeigefinger, Boxbilder, Bodybuilding einer Frau, Astronauten, Raketenstart, KISS, Darth Vader usw.. Zu allem vorangeschickt der kurze Kommentar von JF Kennedy „Ich bin ein Berliner“ 1963. In silbrigen Lettern auf die Wand geschrieben.

Im Zwischendeck sind Kohlekopien 3er Lithografien, von denen eine – die in der Mitte – besonders eindrücklich ist. Links INRI, in der Mitte der Plan eines amerikanischen Sklavenschiffs, mit seinen diversen Decks und der vorgezeichneten, optimalen Lagerung der Ware – Sklaven ohne jeden Platzverlust gereiht und gestapelt. Rechts hängt Moby Dick, groß und weiß steigt er aus den Fluten. Eine Kopie der originalen Illustration von Rockwell Kent zur Erstausgabe. DER WAL. 

Es geht unterdeck. Dort sieht man zum einen eine Projektion aus dem Film Moby Dick mit Gregory Peck als Kapitän Ahab. Dann haben wir ein großes Holzpodest mit Reeling versehen, auf dem abgezirkelt ca. 2 Dutzend rote Bände der englischen Moby Dick-Ausgabe liegen; auf die hintere Wand wird ein Video der Performance zur Ausstellungseröffnung im Bauch der Pequod abgespielt. Die Mannschaft tritt mit Trillerpfeife kommandiert vor, jeder stellt sich hinter ein Buch, ergreift es und rezitiert seine Passage aus Moby Dick. Ein polyphones Sturmgeheul.

Wir kehren zurück aufs Oberdeck und gehen an Land. Überuns der barocke, goldgerahmte Konvexspiegel auf dem geschrieben steht: „Call me Ishmael“. – Gott hört.

Die Ausstellung der Galerie Capitain Petzel währt noch bis zum 16. Juni 2012. Update: Die Ausstellung wurde bis zum 7. Juli verlängert.

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